Freitag, 19. Oktober 2018

Feminismusdebatten #1


„Darf ich dir jetzt noch nicht mal mehr die Tür aufhalten?“
Oft gehört und oft daran gestoßen. Darauf möchte ich aber gleich erst eingehen. Zu erst: Feminismus ist ein Thema, über welches viel diskutiert wird. Von Frauen, so wie von Männern und von Menschen, die sich weder dem einen Geschlecht noch dem anderen zugehörig fühlen (ja, das gibt es tatsächlich, du Hinterwäldler). Hier verhält es sich genau wie bei vielen anderen Themen auch. Wenn du nicht betroffen bist, keine Frau bist, hast du leider erst mal kein angeborenes Recht dich in dieser Debatte über Frauen zu erheben. Du darfst mitreden, auf jeden Fall. Das möchten wir (Frauen) auch unbedingt. Glaube aber ja nicht, dass du das letzte Wort haben wirst. Wirst du nicht. Vielleicht verstehst du es besser, wenn ich es damit vergleiche, dass du auch niemals das letzte Wort haben wirst, wenn du mit einem Menschen mit dunklerer Hautfarbe als der deinen darüber streitest, ob dein Kommentar rassistisch war oder nicht, oder ob dein Gegenüber sich wegen des Kommentars anstellt oder nicht. Don’t. Even. Try. It. Dude. Du wirst niemals erleben, wie es sich anfühlt, auf Grund deines Geschlechtes anders behandelt zu werden. Auf Grund deines Geschlechtes, welches du dir nicht ausgesucht hast. Und nein, auch jemand, der mit einem Penis auf die Welt gekommen ist, sich damit aber nicht identifizieren kann, hat sich dies nicht ausgesucht. Feminismus will dir nichts wegnehmen, Feminismus will dich nicht einschüchtern und stellt sich auch nicht an. Wir wollen lediglich die uns zustehenden 50 Prozent von allem. Und nein, die haben wir nicht. Auch in einer Gesellschaft, die aufgeklärter ist, als sie es jemals zu vor war - zumindest in unseren Breitengraden -, gibt es viele Punkte, in denen wir Frauen, ich als Frau, nicht erst erstreiten wollen, um das zu bekommen, was wir selbstverständlicherweise besitzen sollten. Zum Beispiel, um wieder zum Anfang zurück zu kehren, das Selbstverständnis, dass ich mir die Tür selber aufhalten kann. Und möglicherweise auch will. Für mich bedeutet das nicht, dass du mir die Tür nicht auch aufhalten darfst. Es gibt Verhaltensweisen, die ich auf Grund von bestimmten zwischenmenschlichen Beziehungen genieße. Damit spreche ich allerdings in erster Linie für mich. Aber ich will das uneingeforderte, unumdiskutierte Recht haben, die Klinke selber herunter zu drücken, um durch die Tür zu gehen. Ich will keine komischen Seitenblicke und kein hinter vorgehaltener Hand gerauntes „Frauen“. Was man dann als Mann denn überhaupt noch darf, oder wie man das alles denn erkennen soll? Ich weiß nicht, aber wie ist das denn in nicht heteronormativen Beziehungen? Frau - Frau? Mann - Mann? Steht es da zur Debatte, wer wem die Tür aufhält oder wie man in Erfahrung bringt, ob dieses Türaufhalten angemessen war oder nicht? Ich behaupte: weniger. Männer, Kopf einschalten. So schwer ist es nicht. Und wenn ihr besagte zwischenmenschliche Beziehungen, welche euch sagen ob Tür aufhalten ja/nein, nicht wahrnehmt, mein persönlicher Rat: nachfragen. Seid euch dafür nicht zu schade. 

Mittwoch, 21. März 2018

4,95 €

Jedes Mal bevor die Haustür verlassen wird – ein kurzer Blick in den Spiegel. Und ein kurzer, oder auch ein etwas längerer, Zupfer an dieser oder jener Stelle. Ein genervter Blick, ein Seufzen. Und dann der Gedanke, ausgehend von andauernder Selbstzweifelei, etwas zu verändern. Nicht an den Zweifeln natürlich. Nicht an der Einstellung zu sich selbst. Eher die Form von Veränderung, bei der sich die Zahlen auf dem Konto dm-Einkaufsbedingt ändern. Und zwar um etwa 4,95 €. So viel kostet Haarfarbe. Ein Lächeln vor dem Verlassen der Haustür! Ja, mit der neuen Haarfarbe wird alles anders. Besser. Das Problem dabei ist, dass das Problem nicht die Haare sind. Oder der Lippenstift. Ganz zu schweigen von dem Pickel, den man gut, weniger gut oder gar nicht abdeckt. Noch nie hat sich jemand durch das Wechseln einer Haarfarbe grundlegend verändert. Kurzzeitig, ja. Die Stimmung vielleicht. Oder auch nicht, wenn die Haarfarbe eher Richtung Griff ins Klo als in Richtung „Wow – Wie vom Friseur!“ geht. Genau so wenig, wie man sich Selbstbewusstsein mit einer Hose anziehen, wahlweise auch ausziehen, kann. Die Gefahr bei solchen Unterfangen ist die, dass man nie weiß ob man da grade 4,95€ für ein vorgegaukeltes Selbstwertgefühl gezahlt hat oder für die alte Strickmütze. Die genau weiß, dass dies ihre Chance für einen erneuten Einsatz sein kann. Welches Ergebnis das wünschenswertere ist bleibt offen. Selbstverständlich ist es schön, sich mit einer neuen Matte auf dem Kopf toll zu fühlen. Aber wie lange hält das an? Ich kenne niemanden, der im hohen Alter von sich sagen konnte: „Und mit den Haaren, damals mit 22, da hat sich alles verändert. Positiv! Bis heute!“. Der Selbstzweifel hat sich quasi nur noch mal einen Kaffee vom Bäcker geholt. Der leider bloß einen kurzen Fußweg entfernt ist. Möglichkeit zwei – die Strickmütze. Unzufriedenheit ist gar kein Ausdruck. Der Gedanke der über Wasser hält: wächst ja raus! Ja – irgendwann. Genau wie Kurzhaarfrisuren, die irgendwann wieder zu übergangs-dann-halb-lang-fransigen-endlich-lang - Frisuren werden. Man fiebert endlos lange auf den Moment hin, auf den einen Morgen, an dem man nicht mehr das Gefühl hat die Kampflesbe geben zu müssen, nur weil die Haare es einem befehlen – weil Haare wie jeder weiß, auch den Charakter, die Person, ändern. Diesen einen Morgen... Gibt es natürlich nicht. Und plötzlich steht man mit halblangen Haaren da und merkt, dass sich rein gar nichts verändert hat. Außer vielleicht die eigene Geduld und das Shampoo (Jetzt dann das für schnell fettenden Haaransatz und trockene Längen!). Da beschleicht einen die Idee, nur der Ansatz der Idee, das die bessere Investition der 4,95€ die in einen guten Kaffee gewesen wäre. Um ihn beim sich hinsetzen und über sich nachdenken trinken zu können. Nachdenken darüber, dass keine Haarfarbe, keine Frisur, kein nichthalbganz abgedeckter Pickel, keine Jeans – nichts!, dass nicht wirklich etwas an dir ändert. Am Charakter, an den Menschen die einen mögen, an Zweifeln, Ängsten oder schlechten Tagen. Eine Kurzhaarfrisur macht in den seltensten Fällen eine Kampflesbe aus einem und eine Jeans wird kaum dein Selbstbewusstsein verändern. Aber vielleicht ist dies alles, diese ganzen 4,95 mal X Euro die man in seinem Leben für Veränderung ausgibt, doch für etwas gut. Und zwar für diesen kleinen Moment des Nachdenkens. In dem eine Ahnung davon bekommt, dass Veränderung etwas ist, was in einem drin passiert – und die Haarfarbe bloß für einen kleinen Moment die Zweifel weg färben kann.