Freitag, 15. März 2019

Frühlingstage


Ich komme durch die Tür und schmeiße meine Jacke in die Ecke. Du streckst deinen Kopf durch die Küchentür und lächelst. Der Tee ist fast fertig! Ich trete zu dir in die Küche und helfe dir beim Abwasch. Wie mein Tag war, willst du wissen. Gut sage ich. Gut? Fragst du. Ich erzähle von meinem Tag. Von dem Fahrradfahren in der Frühlingssonne und der schönen Musik in den Ohren. Von fremden Menschen die mir zulächeln weil sie sich angelächelt fühlen. Dabei, sage ich, lächele ich manchmal einfach vor mich hin. Wenn du gute Laune hast, sagst du. Sonst guckst du immer so kritisch. Du hast dann so eine Falte zwischen den Augen. Da! Du tippst mit deinem Zeigefinger an meine Stirn. Danke, erwidere ich. Zu freundlich! Du lachst. Ich erzähle dir, dass mir an solchen Tagen alles so leicht vorkommt. Tausend Ideen, tausend Ohrwürmer und irgendwie finde ich selbst die alte schrullige Frau an der Kasse vom Edeka ganz okay. Ich meine, sogar ein kleines Lächeln in den Tiefen ihrer Mundwinkelfalten gesehen zu haben, als ich ihr einen schönen Abend gewünscht habe. Ja, fahre ich fort. An solchen Tagen wünsche ich anderen gerne einen schönen Abend. Weil ich genau weiß, dass ich einen haben werde. Und ich ehrlich und aufrichtig der anderen Person dies auch wünsche. Mittlerweile sitzen wir im Wohnzimmer auf meinem Sofa. Gibt du mir den Tabak? Ich reiche ihn dir. Tage wie heute sind die ganzen grauen Tage wert. Dass du nachdenkst, sehe ich an deinem Blick. Sehr konzentriert. Aber, fängst du an, hat nicht auch ein grauer Tag das Potential zu einem Frühlingstag zu werden? Du schaust mich an. Weißt du, beginne ich. Glücklich sein ist so eine Sache. Entweder aktiv oder passiv. Aktiv oder was? Naja, entweder wartest du passiv auf etwas, was deiner Meinung, deinen Gefühlen nach, dem Zustand des Glücklich-Seins entspricht oder aber, ich stocke kurz, du nimmst deine Ansprüche ans Glücklich-Sein ein wenig zurück und nimmst das was grade da ist als etwas, worüber man glücklich sein kann. Das ist deine Entscheidung. Du kannst den Tag wartend verbringen oder glücklich. Sehr pathetisch!, merkst du an und willst wissen warum ich dann nicht immer glücklich bin. Wenn ich das doch so gut wissen würde. Weißt du, sage ich, wissen und das WAS man weiß auch fühlen. Das ist die Schwierigkeit. Oder hast du deine ganzen Träume bereits verwirklicht nur weil du den Spruch mit dem "Träume nicht dein, sondern..." kennst? Touché!, du grinst. Ich auch. Ich verbringe gerne Zeit mit dir, sage ich. Das ich guckt mich an. Ist das nicht die Hauptsache? 

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