Freitag, 14. Dezember 2018

MY BODY, MY FUCKING RULES

Ungeborene müssen vor Menschen wie mir geschützt werden. Ich würde lügen, wenn mich das nicht irgendwo getroffen hätte. Ein Kommentar unter einem Artikel von Alice Schwarzer hat tatsächlich ausgereicht, um mir eine schlaflose Nacht zu bereiten. Es geht um Artikel 219a unseres Grundgesetzes. Juristen schreien an dieser Stelle, es ginge ja um Werbung. Aber darum geht es schon längst nicht mehr. Es geht darum, dass ich als Frau kaum Möglichkeiten habe, mich anonym im Internet über einen Abbruch der Schwangerschaft zu informieren. Und natürlich will ich dabei auch in Erfahrung bringen, was der ganze Spaß kostet. Aber es ist kein Spaß.

Frau sein könnte Spaß machen, ja tatsächlich. Wäre da nicht die Sache mit den Hormonen, die mich mindestens einmal im Monat in die Knie zwingen. Das ist nicht spaßig, nein. Es macht auch keinen Spaß, nachts auf der Straße von fremden Männern angemacht zu werden. Es macht auch kein Spaß, beim Praktikum in der Autowerkstatt gesagt zu bekommen, den Autoreifen lieber nicht zu tragen. Es macht kein Spaß, mich beobachtet zu fühlen, wenn ich an der Baustelle vor meiner Tür vorbei gehe, und die Blicke einiger Männer auf mir spüre. Es macht keinen Spaß. Ich bin auch nicht automatisch lieb und nett und hübsch und süß und schon gar nicht niedlich, nur weil ich eine Muschi habe. Und ich will auch meinen Körper nicht von wildfremden Menschen bewerten lassen oder ihn erklären müssen. Das passiert Frauen tatsächlich erfahrungsgemäß häufiger als Menschen mit einem Schwanz in der Hose. Es gibt viele Dinge, die als Frau definitiv keinen Spaß machen. Es gibt keinen Umkehrschluss, der besagt, dass es für Männer dagegen immer schön ist, aufs „Mann sein“ reduziert zu werden. Männern zugeschriebene Attribute können auch sehr belastend sein, bestimmt. Aber in der Position zu sein, vom Mann „genommen“ zu werden, und oft eher als Anhängsel gesehen zu werden. Das tut weh. Mich, obwohl ich mich nicht von meiner „Rolle als Frau“ belasten lasse, mich oft zu fragen, ob ich jetzt zu laut, zu offensiv, zu sexuell, zu provokant war - ätzend. Ich greife damit nicht die ganzen lieben, wunderbaren Männer in meiner Umgebung an. Freunde, Familie. Keine Frau will direkt jeden Mann damit angreifen. Es geht um ein über Generationen vermitteltes Bild, was so stark auf uns lastet, dass es uns in die unmöglichsten Rollen und Positionen drängt.

Es bist nicht du, es ist dieses „es“, was mich zu Boden drückt. 

Es ist auch kein Spaß, zu merken, dass man beispielsweise trotz regelmäßiger Einnahme einer hormonellen Zeitbombe schwanger geworden ist, und sich nun etwas überlegen muss. Überforderung und Scham. Um diese beiden Gefühle geht es. Kein Mann, jemals, wird diesen Gefühlscocktail nachfühlen. „Es weg machen lassen“. Tabuthema. Dabei will Frau einfach, verdammt noch mal, kein Kind. Für mich als Frau ist die Tragweite eine vollkommen andere, als die des Mannes, der sein Sperma in mir abgeladen hat. Du wirst Vater. Aber niemals Mutter. Mein Leben kann damit vorbei sein, deins sich nicht einmal verändern. 

Es geht nicht darum, um auf Frau von Storch einzugehen, ein ausgewachsenes Baby zu töten, was quasi schon dem Arzt in den Händen liegt. Es geht darum, dass ich über einen medizinischen Eingriff aufgeklärt werden möchte. Dass mich jemand Ernst nimmt, ich nicht den erniedrigenden Behördengang antreten muss, um mir Informationen zu erkämpfen. Mein gutes Recht. Oder eben leider nicht. Entscheiden grade, mitunter, zwei greisenhafte alte Männer. 

Einen Zellhaufen in meinem Körper entfernen zu lassen, ist mein gutes Recht und nichts, wofür ich mich schäme. Es ist die freie Entscheidung über mein Leben. Mein Leben ist mir wichtiger, als das, eines nicht mal potentiell, theoretischen Kindes. Es ist kein Kind, es ist meine Gebärmutter. 

Ich bin kein zwei in eins. 
Egal, ob du männlich oder weiblich bist - 
Über meinen Körper darfst du nicht entscheiden.
Find dich damit ab.